Vereinsgeschichte

Mit berechtigtem Stolz darf die heutige Vereinsgeneration der St. Hubertus Schützenbruderschaft diese lange Zeitspanne Revue passieren lassen. Wann in Siddessen ein Schützenverein bzw. Schützenbruderschaft gegründete wurde, ist nicht genau bekannt. Im „Generalmobilmachungsplan der Schützen für das gesamte Hochstift Paderborn“ aus dem Jahre 1590 von Rektor i. R. Karl Weber aus Salzkotten wird Siddessen unter Punkt 12 mit anderen Ortschaften u.a. Dalhausen, Natingen, Fronhausen, Natzungen, Drankhausen, Schwekhausen, Rheder, Löwen, Fölsen und Herste erwähnt. Diese Orte mussten 1 Fahn (= 300 Mann) für die Verteidigung des Stift Paderborn bereitstellen.

Es ist das erste und älteste Zeugnis für die Existenz eines Schützenvereins. Dies wird untermauert mit der Erteilung neuer Statuten für die Schützenbruderschaft der Dorfschaft Siddessen am 6. Februar 1700 durch Hermann Werner, Bischof zu Paderborn, des Heiligen Römischen Reiches Fürst und Graf zu Pyrmont. In diesem Statut wird erwähnt, dass das Statut bei den Vorfahren der Antragsteller in Kriegszeiten verloren gegangen ist (im Dreißigjährigen Krieg?).

Im Jahr 1826 taucht die Schützengesellschaft erstmals in der Ortschronik auf. 1827 gab sich die Schützengesellschaft ein Statut. Danach war der Zweck der Gesellschaft u. a. die Pflege des Gemeinsinnes der brüderlichen Vereinsgesellschaft. Die Gravur der alten Königskette trägt ebenfalls die Jahreszahl 1827 und so wurde dieses Jahr als Gründungsjahr gewählt.

Am 3. Juni 1877 feiert die Schützengesellschaft das 50jährige Gründungsfest. In der Ortschronik steht geschrieben, dass an diesem Fest die Alte Schützengesellschaft aus Gehrden zu Gast war.

Eine Schützenchronik beginnt erst mit dem Jahr 1925 und dem Wiederbeginn des Vereinslebens nach dem ersten Weltkrieg. Neue Statuen wurden erstellt und alle Funktionen neu besetzt. Oberst wurde Heinrich Todt. In diesem Jahr wurde auch das erste Schützenfest nach dem Krieg gefeiert. König war der Schmiedemeister Peter Ritzenhoff, Königin seine Gattin Maria.

Im Jahr 1927 feierte der Schützenverein das 100jährige Gründungsfest. Wörtlich heißt es in der Ortschronik: „Wie aus den alten Urkunden ersichtlich, haben unsere Vorfahren vor hundert Jahren, also 1827 den Schützenverein gegründet und zum ersten mahle das Schützenfest gefeiert. Darob fand in diesem Jahre die seltene Feier des hundertjährigen Bestehens statt. Die Königswürde hatte sich der Jüngling Josef Bobbert, Hs. Nr. 14 errungen. Als Schützenkönigin erkor er sich Fräulein Auguste Todt Hs. Nr. 2. Das Fest wurde außergewöhnlich feierlich begangen.“

Das letzte Schützenfest vor dem 2. Weltkrieg feierte man 1939. König war August Scheele, Königin seine Gattin Johanna. Von nun an ruhten die Vereinsaktivitäten bis zum Jahr 1949.

1933 – 1945

Die Zeit von 1933 bis 1945 war für die Schützenbruderschaften, Schützen und Heimatvereine eine schwierige Zeit. Vereine die nach ihrem Statut kirchlich orientiert waren, wurden durch die nationalsozialistische Herrschaft unter Druck gesetzt. Durch eine Gleichschaltung sollte der ideologische Führungsanspruch der Partei auf die Vereine gesichert werden. Wichtig erschien es den Machthabern, die Vereine dem Einfluss der Kirche zu entziehen.

1937 wurden die Schützen- und Heimatvereine in ihren existierenden Organisationsformen von den Nationalsozialisten verboten. Ebenso wurden bestehende Satzungen bzw. Statuten sowie die äußeren Erkennungsmerkmale wie Fahnen, Wimpel und Orden verboten. In der Folge wurden die Vereine vor die Wahl gestellt, entweder dem Deutschen Schützenbund, der dem Reichsverband für Leibesübung unterstellt war, oder dem Westfälischen Heimatbund beizutreten.

Durch den massiven Druck, der insbesondere vom Deutschen Schützenbund auf die Vereine ausgeübt wurde, war eine große Beunruhigung unter den Schützenvereinen eingetreten. Der Oberpräsident der Provinz Westfalen ging darauf in einem Schriftsatz vom 16. Juli 1936 an den stellv. Chef der Preußischen Geheimen Staatspolizei Berlin ein: „Ich muss in diesem Zusammenhang auf ein Moment von allgemeiner – politischer Bedeutung aufmerksam machen. Die sogenannten Schützenvereine sind hier in der Provinz gerade in den weiten ländlichen Bezirken diejenigen Einrichtungen, die die gesamte dörfliche Gemeinschaft in echter Volksgemeinschaft, Heimatpflege und Pflege alten Brauchtums zusammenfassen. Diese Vereine werden durch das Vorgehen des Deutschen Schützenbundes praktisch zerschlagen. Die Rückwirkungen, die ein derartiges Vorgehen auf die Stimmung der gesamten ländlichen Bevölkerung, die sehr stark an diesen althergebrachten Vereinen hängt, haben würde, bitte ich nicht zu unterschätzen. Schon die Verhandlungen über diese Frage in den letzten Monaten haben eine erhebliche Unruhe hervorgerufen.“ (Staatsarchiv Detmold M1 IP Nr. 1314).

Anstelle der Schützenfahnen erhielten die Vereine die Fahnen des Deutschen Schützenbundes bzw. des Westfälischen Heimatbundes. Ebenso musste deren Einheitssatzung angenommen werden. Diese Satzung besagte u. a., dass die Hauptaufgabe aller Vereine der Wehrsport und die Wehrhaftigkeit der Mitglieder sein soll. Somit waren aus den Schützenvereinen Wehrsportgruppen geworden – vom alten Schützengeist, dem Brauchtum und der Schützentradition war wenig erhalten geblieben.

1946 – 1969

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde eine Wiederbelebung der Schützenvereine durch die britische Militärregierung untersagt, da sie im Sinne der Militärgesetzgebung, als Wehrsportgruppen galten – und die waren verboten. Die Bezeichnung Schützenverein oder Schützengesellschaft wurde nicht geduldet, ebenso wurde das gesamte Vermögen der Vereine beschlagnahmt.

Im Jahr 1946 wurde das Verbot für alle Vereine und Gruppen, die eine Bindung zur katholischen Kirche nachweisen konnten, aufgehoben. Dies geht aus einer Anmerkung zur „Normalsatzung“ des „Zentralverbandes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften“ hervor, die wie folgt lautet: „Auf Grund einer Erklärung des Hochwürdigen Herrn Erzbischof in Köln und des Kultusministers von Nordrhein Westfalen Prof. Dr. Konen zu Düsseldorf, wonach die katholischen deutschen Schützenbruderschaften von der Militärregierung für das Land Nordrhein Westfalen ausdrücklich genehmigt worden sind…“

Schützenvereinen, die sich dem Zentralverband der Deutschen Historischen Schützenbruderschaften für Glaube Sitte Heimat anschlossen, konnten ihre Vereinsaktivitäten wieder aufleben lassen, sie mussten sich jedoch in „Bruderschaften“ umbenennen und die Normalsatzung des Zentralverbandes anerkennen.

Im Jahr 1949 wurde auf Vorschlag des noch amtierenden Oberst Hubert Rochell sen. das Schützenwesen in Siddessen wieder aktiviert. Der Verein nannte sich von nun an „Sankt Hubertus Schützenbruderschaft“. Der neugewählte Vorstand setzte sich wie folgt zusammen: Als Oberst und Brudermeister wählte die Versammlung Theodor Schwarzendahl, sein Stellvertreter und Adjutant wurde Franz Rochell, Schriftführer war Josef Dohmann. Die neugegründete St. Hubertus Schützenbruderschaft trat dem Zentralverband der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (später „Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften“) bei.

Ebenfalls noch im Jahr 1949 gründeten 8 Bruderschaften des Kreises Warburg den „Bezirksverbandes Warburg“, Mitinitiator war Theodor Schwarzendahl. Auf der Gründungsversammlung in Peckelsheim wählten die Delegierten ihn zum Bezirksbundesmeister. Dem Bezirksverband stand er von 1949 bis 1954 vor.

Das erste Schützenfest nach dem Krieg feierte die St. Hubertus Schützenbruderschaft 1950. König war Gottfried Nolte, als Königin stand ihm seine Frau Anna zur Seite.

Das 125jährige Jubelfest feierte man 1952. Jubelkönig war Oberst Theodor Schwarzendahl, als Königin stand ihm seine Gattin Erna zur Seite. Anlässlich dieses Festes weihte der damaligen Pastor Scherer die neue Fahne der Altschützen.

Im Jahr 1954 wählte die Mitgliederversammlung Josef Hasenbein zum neuen Oberst und Brudermeister.

Das Königschießen in den Jahren 1950 bis 1964 fand in der Schlucht auf der Weide des Landwirtes Heinrich Rochell im Tiefental statt. Geschossen wurde mit einem Kleinkalibergewehr auf einer Distanz von 50m. Ein Schießen dieser Art würde in heutiger Zeit aus Sicherheitsgründen nicht mehr genehmigt. Von 1966 bis 1976 wurde der König auf einem eigens für das Königschießen errichteten Luftgewehrstand in der Scheune (Bergstraße) des Landwirtes Josef Dohmann ermittelt.

Im Schützenjahr 1962 waren erstmals die Schützen des „Allgemeinen Bürger- und Schützenverein Wattenscheid“ unsere Gäste. Diese Partnerschaft wurde von Ludwig Kretzer, einem ehemaligen Siddesser Bürger ins Leben gerufen. Durch gegenseitige Besuche der Schützenfeste bestand diese Beziehung bis zum Jahr 1982.

In den Jahren 1967 bzw. 1968 konnte ein lang ersehnter Wunsch der Schützenbruderschaft, ein Ehrenmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege zu erstellen, verwirklicht werden. In einer beispielhaften Gemeinschaftsleistung der Schützenbruderschaft, unterstützt von der damaligen Gemeindevertretung mit dem Bürgermeister Josef Dohmann sowie dem Bauunternehmer Josef Schönhoff aus Gehrden wurde ein ca. 20 Tonnen schwerer Findling aus Sandstein mit einem Tieflader aus der Egge in der Nähe von Willebadessen an seinen jetzigen Standort transportiert und aufgestellt. Anläßlich des Schützenfestes 1968 wurde das neu errichtete Ehrenmal vom damaligen Pastor Scherer feierlich eingeweiht.

1970 – 1999

1970 war die St. Hubertus Schützenbruderschaft Ausrichter des 4. Bezirksschützenfestes des Bezirksverbandes Warburg im „Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften“. Es war für den Vorstand um Oberst Josef Hasenbein eine große Herausforderung dieses Fest, an dem ca. 400 Schützen teilnahmen, zu organisieren und durchzuführen. Von damaligen Vorstandsmitgliedern wird berichtet, dass jedes Vorstandsmitglied eine Bürgschaft über 100 Deutsche Mark unterzeichnete um das finanzielle Risiko, was ja zweifelfrei bestand, abzusichern. Wie in dem Kassenbuch dokumentiert ist, musste diese Bürgschaft aber nicht in Anspruch genommen werden.

König war in jenem Jahr Ludger Nolte, Königin Roswitha Otte. Am Sonntagnachmittag fand nach dem Festzug das 4. Bezirkskönigschießen statt. Bezirkskönig wurde Josef Falke von der St. Sebastian Bruderschaft Borgentreich.

1977 konnte die Bruderschaft ihr 150jähriges Gründungsfest feiern, das Jubiläum verlegten die Verantwortlichen auf das Jahr 1978. Es war das erste Schützenfest, das in der neu errichteten Oesehalle gefeiert werden konnte. Außerdem wurde der König erstmals auf dem in der Oesehalle fest installierten Luftgewehrschießstand ermittelt. König war Bernhard Scheele, als Königin stand ihm seine Gattin Hilde zur Seite.

Im Jahr 1991 änderte sich der Modus zur Ermittlung des Schützenkönigs. Statt wie bislang durch Schießen auf eine Scheibe, schoß man ab diesem Jahr auf einen Vogel um die Königswürde. Der Vogel, ausgerüstet mit den Pfändern Krone Zepter und Apfel, war in einem Kugelfang auf eine eigens für den Königsschuss präparierten Latte montiert. In einer Entfernung von ca. 8 Metern, war auf einer Lafette das Luftgewehr befestigt. Der aufsichtführende Schießmeister justierte die Waffe auf das Ziel ein. In Reihenfolge beschossen die Schützen die Pfänder Krone Apfel und Zepter – danach erfolgte der Königsschuss.

Nach ca. 40 Schüssen gelang im Jahr 1991 dem Schützenbruder Johannes Heilemann der entscheidende Treffer. Der Vogel stürzte aus dem Kugelfang zu Boden, Johannes Heilemann war der erste Schützenbruder, der durch das Schießen im neuen Modus König wurde. Die Prinzen ermittelte man weiter auf dem Schießstand.

1992 feierte die St. Hubertus Schützenbruderschaft ihr 165jähriges Jubelschützenfest. Anläßlich dieses Festes erstellte die Bruderschaft eine Festschrift in der die Geschichte und erwähnenswerte Ereignisse tiefgründig in Wort und Bild kommentiert und dokumentiert wurden. Das Regentenpaar war Heinz Josef und Angelika Rochell.

Zum 170-jährigen Gründungsfest am Sonntag den 22. Juni 1997 war die Bruderschaft zum zweiten Mal nach 1970 Ausrichter des 13. Bezirksschützenfestes des Bezirksverbandes Warburg. König war in diesem Jahr Marc Rochell, zur Königin erkor er Stefanie Bobbert. Am Festzug nahmen die Abordnungen der 11 Mitgliedsbruderschaften des Bezirksverbandes Warburg und der Bruderschaften aus den Orten der Stadt Brakel teil. Begleitet wurden die ca. 500 Schützen von zwei Musikkapellen und drei Spielmannszügen. Ehrengäste waren u. a. der Bundesschützenmeister Hermann Macher und der Diözesanbundesmeister Hans Besche. Die Festansprache hielt der Landrat des Kreises Höxter Hubertus Backhaus.

2000 – heute

Vom 27. – 29. Mai 2000 feierte die St. Hubertus Schützenbruderschaft das letzte Schützenfest im alten Jahrtausend und zugleich ihr 300jähriges Gründungsfest (gerechnet nach dem Statut von 1700). Das Königspaar bildeten Winfried und Roswitha Rochell – zum zweiten Mal nach 1972.

Im Jahr 2002 – 175 Jahre nach der Neugründung im Jahr 1827 – führte das Königspaar Ludwig Nolte und Petra Heckmann die Schützen an.

Aktivposten der Bruderschaft sind die St. Hubertus Schützenjugend und die Schiessabteilung, die unter Schießmeister Andreas Geilhaar in den vergangenen Jahren im Westfälischen Schützenbund auf Kreis- und Bezirksebene sehr erfolgreich an den Rundenwettkämpfen teilnahm.

Im Jahr 2007 wird die Mitgliedschaft von Frauen beschlossen und in die Satzung aufgenommen.

Auf der Mitgliederversammlung 2008 scheidet Ulrich Otte als Oberst und Brudermeister aus. Das Amt hatte er 18 Jahre inne. Als neuen Oberst wählt die Versammlung Werner Hasenbein. Elmar Spellerberg, der als Geschäftsführer 27 Jahre die Geschicke des Vereins mit lenkte, stellte sich nicht mehr zur Wahl. Sein Nachfolger wurde Johannes Heilemann.

Unsere Ziele, Aufgaben und Ideale

Als Mitglied im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften stehen wir für die Ideale Glaube, Sitte, Heimat ein. Diese werden von uns Schützenschwestern und Schützenbrüder als Selbstverständlichkeit verstanden. Weiterhin ist die Traditions- und Brauchtumspflege eine Daueraufgabe der Bruderschaft. Eine weitere Aufgabe ist die Förderung der Dorf- und Vereinsgemeinschaft.

Mit dem vorgenannten Dokumenten ist die Schützenbruderschaft Siddessen vermutlich deutlich älter, als bisher angenommen. Es muss überlegt werden – in Abwägung der damit verbundenen Konsequenzen – ob das Gründungsjahr geändert werden soll…